Segler auf Wohnungssuche

Mauersegler im Chappelerturm

Update Sommer 2026: Was sich im Chappelerturm in Opfikon getan hat

Wer Mauersegler kennt, weiss: Diese Vögel sind keine Gäste, die man einfach einlädt. Sie kommen, wenn sie bereit sind. Und wenn sie bleiben, ist das ein Zeichen, dass man vieles richtig gemacht hat. Genau das passiert in Opfikon, im Chappelerturm.

Ein Vogel, der kaum landet

Bevor wir vom Turm erzählen, ein paar Augenblicke bei diesem aussergewöhnlichen Tier: Der Mauersegler ist ein Lebewesen, das die Luft zu seinem Zuhause gemacht hat (fast vollständig). Nach dem Ausfliegen verbringen die Jungvögel rund ein Jahr ununterbrochen in der Luft. Sie fressen in der Luft, schlafen in der Luft, und sammeln sogar ihr Nistmaterial fliegend auf, um es mit Speichel zu einer Mulde zu verkleben. Ihr Körper ist auf dieses Leben ausgerichtet: die schmalen, langen Flügel, die aerodynamische Spindelform, ein spezielles Hämoglobin, das die Sauerstoffaufnahme in grossen Höhen ermöglicht.

Auf dem Zug erreichen sie 40 km/h, bei Flugspielen über 100 km/h, maximal sogar 200 km/h. Und trotzdem: Einmal im Jahr brauchen sie einen Ort zum Brüten. Einen sicheren, ruhigen Hohlraum, hoch oben. Diesen Orten bleiben sie ein Leben lang treu. Bis zu 21 Jahre am selben Nistplatz sind dokumentiert. Sanierungen, Neubauten, Renovationen lassen jedes Jahr unzählige Nistplätze verschwinden. Mauersegler sind auf der Roten Liste als potenziell gefährdet eingestuft. Wer ihnen hilft, tut etwas Wichtiges.

Ein Update aus dem Chappelerturm

Bei einer Nachkontrolle der Nistkästen im Chappelerturm Ende Juni haben Leonie und Ueli folgendes Ergebnis dokumentiert:

40 geschlüpfte Jungvögel, 2 warme Eier.

Im besten Fall werden also 42 Jungvögel im August zur grossen Reise Richtung Afrika aufbrechen, wo sie den Regenzeiten und dem reichen Insektenangebot folgen werden.

Zwei Kästen fallen dieses Jahr besonders auf:

Kasten 56: Dort hatten Leonie und Ueli beim ersten Besuch im Gewusel des Nests versehentlich 4 Jungvögel gezählt. Bei der Nachkontrolle waren es 3. Kein Drama, aber eine gute Erinnerung daran, wie lebendig es in diesen Kästen zugeht.

Kasten 2606 (neu): Hier hat ein Altvogel eine eigene Nistmulde gebaut, direkt neben der künstlichen. Er hat darin gebrütet, ist beim Öffnen des Kastens weggeflogen, und Leonie und Ueli konnten 2 warme Eier sehen. Falls sie beim Reinigen im Herbst kein Ei mehr antreffen, sind in diesem Kasten höchst wahrscheinlich 2 Jungvögel ausgeflogen.

Besonders spannend sind die Bilder aus den neuen Kästen: An den Nistmulden klebt frisch angebrachtes, sorgfältig befestigtes Material. In 7 der 10 neuen Kästen konnten eindeutige Nistspuren festgestellt werden.

Gut möglich, dass das einjährige Mauersegler waren, die auf Wohnungssuche gingen und die Kästen erkundeten. Einjährige brüten noch nicht, aber sie schauen sich um. Sie merken sich Orte. Das lässt hoffen auf die Brutsaison 2027.

Mauersegler im Chappelerturm
Mauersegler im Chappelerturm
Mauersegler im Chappelerturm

Warum das zählt

Mauersegler suchen sich neue Nistplätze nicht leichtfertig. Sie brauchen Zeit, Vertrauen, und das richtige Angebot. Was im Chappelerturm in Opfikon entstanden ist, ist kein Zufallserfolg. Es ist das Ergebnis von sorgfältiger Planung, regelmässiger Kontrolle und dem Willen, diesen aussergewöhnlichen Vögeln einen Platz zu lassen in einer Welt, die immer weniger Platz für sie hat.

Wir bleiben dran. Und die Segler, so scheint es, auch.

Mauersegler im Chappelerturm
Mauersegler im Chappelerturm
Mauersegler im Chappelerturm

Blogbeitrag von Nadine Koller und Ueli Krautli, Fotos von Leonie Haferkemper.
Quellen:
BirdLife https://www.birdlife.ch/de/content/vogel-des-jahres-2005-mauersegler und Vogelwarte Sempach: https://www.vogelwarte.ch/de/projekte/artenforderung-mauer-und-alpensegler/