Der Sommer 2026 hat es wieder gezeigt: Hitzewellen, tropische Nächte, aufgeheizte Strassen und Plätze. Die grösste Hitze scheint für dieses Jahr überstanden zu sein, doch genau jetzt ist der richtige Moment, um aktiv zu werden. Was heute entsiegelt und begrünt wird, wirkt schon im nächsten Sommer: kühler, lebendiger, freundlicher zu Mensch und Tier.
Was Asphalt mit dem Klima vor der Haustür macht
Versiegelte Flächen heizen sich tagsüber stark auf und geben die Wärme nachts nur langsam wieder ab. So entstehen sogenannte Wärmeinseln, die auch in der Nacht kaum abkühlen. Der Kanton Zürich hat das für einzelne Massnahmen gemessen: Wird eine Asphaltfläche durch Rasen ersetzt, sinkt die gefühlte Temperatur am Tag im Schnitt um 3,6 °C, an heissen Stellen sogar um bis zu 6,6 °C.
Auch die Asphaltknackerinnen rechnen vor: Eine begrünte Fläche kühlt ihre Umgebung um bis zu 6 °C ab, wer sich unter einen Baum setzt, spürt sogar 10 bis 15 °C weniger. Über 60 % der Flächen in Schweizer Städten und Agglomerationen sind versiegelt. Das ist nicht nur ein Hitzeproblem: Unversiegelter, begrünter Boden filtert Regenwasser, lässt es ins Grundwasser sickern, bindet CO2 und ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Mehr Zahlen, Hintergründe und Tipps finden Sie bei den Asphaltknackerinnen und beim Kanton Zürich.
Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt: Schwammstadt. Die Idee dahinter ist einfach und klug zugleich: Regenwasser soll dort versickern und gespeichert werden, wo es fällt, statt über die Kanalisation zu verschwinden. Bei Hitze verdunstet das gespeicherte Wasser wieder und kühlt die Umgebung. Bei Starkregen verringert sich gleichzeitig das Risiko für Überschwemmungen.
Anschaulich erklärt, mit einer guten Grafik und weiterführenden Links, ist das Prinzip auf der Seite der Mobiliar aufbereitet.
Was möglich ist, zeigt unter anderen auch die Zürcher Kantonalbank mit mehreren Begrünungs-Engagements:
Ein früher vollständig geteerter Innenhof an ihrem Standort City wurde 2025 begrünt. Heimische Gewächse, hochwachsende Gräser und künftige Schattenbäume kühlen den Ort und laden zum Verweilen ein. Insgesamt hat die ZKB im Kanton Zürich an über 20 Standorten auf rund 9’000 m² naturnahe Flächen geschaffen. An der Pfingstweidstrasse, ZKB Neue Hard Südkurve, wich eine 320 m² grosse Asphaltfläche, die nur dem Lieferverkehr diente, einer biodiversen Rabatte mit Schwammstadtsubstrat, fünf neuen Bäumen und Nisthabitaten für Wildbienen (zum Nachlesen).
Auch Private bewegen etwas: Ein SRF-Beitrag zeigt, wie Freiwillige in Basel-Stadt seit 2024 rund 1’000 m² Asphalt von Hand aufgebrochen haben. «Für uns zählt jeder Quadratmeter», sagt die Geschäftsstellenleiterin des WWF Region Basel dazu. Ein Beitrag, der Mut macht, selbst mit anzupacken.
Was Sie selbst tun können
Man muss weder Bank noch Gemeinde sein, um etwas zu bewegen. Schon kleine Flächen wirken:
- Eigene Fläche prüfen: Ein Vorplatz, eine Einfahrt, ein Hinterhof? Oft lässt sich mehr entsiegeln und begrünen, als man denkt.
- Sich beraten lassen, sich informieren. Anleitungen nutzen, zum Beispiel den Ratgeber «Entsiegeln leicht gemacht» vom Naturama, Aargau. Einige Angaben im Ratgeber sind Aargau-spezifisch und müssten für den Kanton Zürich angepasst werden.
- Sich inspirieren lassen: Beim WWF-Projekt gemeinsam aufbrechen (aktuell nur für die Ostschweiz und Basel) und bei Bioterra finden Sie Beispiele und praktische Tipps für den eigenen Garten. Bioterra bietet daneben ein breites Sammelsurium an Tipps rund um Naturgärten allgemein, nicht nur zum Entsiegeln.
- Sollten Ihre Flächen bereits entsiegelt sein und Sie erfreuen sich Ihrer Grünflächen: Tragen Sie Ihnen Sorge. Pro Natura kann helfen.
Jeder entsiegelte und begrünte Quadratmeter zählt, für ein kühleres Zuhause, für die Biodiversität und für eine Region, die dem Klimawandel etwas entgegensetzt. Kennen Sie ein Entsiegelungs- oder Begrünungsprojekt in Wallisellen oder Opfikon? Wir freuen uns über einen Hinweis an info@nvmg.ch.
